Historisches

Die erste Gründung

Um 1203/1204 unternahm Kalhoch von Falkenstein eine Klostergründung am Fuße des Böhmerwaldes. Unter extremen klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen begann der Zisterzienser-Abt Theoderich mit einer kleinen Gruppe Mitbrüder aus dem Kloster Langheim bei Bamberg mit der Errichtung. Eine erste Erwähnung findet das Kloster im Jahr 1204 in einer Reiserechnung des Passauer Bischofs Wolfger von Erla, eine zweite in einer Urkunde aus dem Jahr 1209, die Abt und Kloster alle Rechte und Freiheiten bestätigt.

Die kurze Geschichte des ersten Schlägler Klosters endet im Winter 1214/15 mit dem Tod des Abtes durch Entkräftung. Die übrigen Brüder gaben das Kloster auf und kehrten nach Langheim zurück.

Neubeginn als Rodungskloster

Am 9. Juli 1218 übergab Kalhoch von Falkenstein das gestiftete Kloster an die Prämonstratenser aus dem Kloster Mühlhausen in Böhmen. Diese begannen um 1250 mit der Errichtung der heutigen Klosteranlage. Einen Hinweis auf die dazu nötigen Rodungsarbeiten finden sich im Namen „Slage“ und im Stiftswappen mit den zwei gekreuzten Schlägeln.

Romanische Krypta und Mittelalter

Aus der Zeit der Errichtung stammt die bis heute erhaltene romanische Krypta. Unter Probst Ulrich (1304 bis 1338) erfolgten wesentliche Erweiterungen wie der südliche Anbau, die „Alte Probstei“. Im Mittelalter kam es dann zu weiteren Ausbauten: Propst Andreas Rieder (1444 bis 1481) gab u.a. der Stiftskirche ihre heutige Gestalt, Propst Johannes III. (1481 bis 1490) ließ einen mächtigen Wehrturm errichten.

Reformation und Zerstörung

Im 16. Jhdt. wirkten sich die Reformations-Bewegungen nachteilig auf die Disziplin und in weiterer Folge auf die Klostergebäude aus, sodass Propst Crispin Fuck (1609 bis 1622) sich zu einer teilweisen Neuerrichtung veranlasst sah. Sein Nachfolger Wilhelm Capreolus begann mit der Barockisierung der Kirche, doch setzten nach seinem Tod 1626 aufständische Bauern Kirche und Kloster in Brand, was eine weitgehende Zerstörung zur Folge hatte.

Erhebung zur Abtei

Der Wiederaufbau erfolgte unter Propst Martin Greysing (1627 bis 1665), der das barocke Erscheinungsbild der Kirche beauftragte und den Nordtrakt sowie den Konventtrakt hinzufügen ließ. Wegen seiner Verdienste wurde er vom Generalkapitel in Prämontré am 6. Mai 1657 zum Abt und das Kloster Schlägl zur Abtei erhoben.

Brände und Umbauten

In der Folge verursachten insgesamt sieben schwere Brände große Schäden, der letzte im Jahr 1850. Zwei Jahre später entstand anstelle der alten Stallungen im Osttrakt die große neubarocke Bibliothek, an die sich die 1898 errichtete Bildergalerie anschließt. Durch die Errichtung eines neuen Trakts im westlichen Bereich im Jahr 1853/54 ist der heute noch vorhandene geschlossene Hof entstanden.

Die Zeit des Norbert von Xanten

Im Hochmittelalter wurde das klösterliche Leben zum kirchlichen Idealbild erhoben und Ordensgründungen besonders gefördert. In dieser Zeit lebte auch Norbert von Xanten aus dem Geschlecht der Herren von Gennep: um 1080 geboren, war seine geistige Entwicklung in diese allgemeine kirchliche Reformstimmung eingebettet. Als späteres Mitglied des Kollegiatsstiftes in Xanten scheiterte er mit seinem Reformvorhaben aber am Unwillen der Stiftsherren.
Als Folge machte er sich auf die Suche nach einem neuen Weg geistlichen Lebens.

Entscheidung für ein grundlegendes Ideal

Im Jahr 1121 gründete er auf Bitte des Bischofs Barthelémy von Laon im Tal von Prémontré sein erstes Kloster, das 1126 durch den Papst bestätigt wurde. Für die Gründung wählte Norbert die älteste lateinische Ordensregel, die des hl. Augustinus von Hippo (354 bis 430). Ihr zugrunde liegendes Ideal lautet „miteinander leben auf Gott hin“. Sie legt bis heute klare Richtlinien für das Leben der Prämonstratenser fest.

Die Ausbreitung der Prämonstratenser

Norbert von Xanten wurde 1126 Erzbischof von Magdeburg und starb im Jahr 1134. Seine Gebeine ruhen seit 1627 in der Abteikirche von Strahov (Prag). Nach seinem Tod breitete sich der Orden in Europa rasant aus, so dass es bereits 100 Jahre später mehr als 500 Prämonstratenserklöster gab. Im Zuge der Reformation und Säkularisierung verlor der Orden an Bedeutung. Eine grundlegende Erneuerung erfolgte im 19. Jhdt. Heute bildet der Prämonstratenserorden mit ca. 1.300 Mitgliedern den größten Chorherrenorden der Welt! www.praemonstratenser.de