Die Geschichte des Klosters Schlägl
Die erste Gründung Schlägls Um das Jahr 1203 / 1204 unternahm Kalhoch von Falkenstein im
Auftrag des Bischofs Wolfger von Passau am Fuße des Böhmerwaldes an der Grenze
nach Böhmen hin eine Klostergründung. In dem dicht bewaldeten Gebiet siedelte er
Zisterzienser aus dem Kloster Langheim bei Bamberg an. Unter
extremen wirtschaftlichen und klimatischen Bedigungen begann Abt
Theoderich mit einigen Brüder eine kleines Klösterchen zu errichten und
es unter das Patronat der Gottesmutter zu stellen. Der Ort, an dem dieses erste Kloster
gestanden hat, ist nicht mehr bekannt, dürfte jedoch ganz in der Nähe des heutigen
Kloster gewesen sein. Erstmals erwähnt wird ein Kloster Schlägl in der Reiserechnung des Passauer
Bischofs Wolfger von Erla, als dieser
am 4. April 1204 zu
Leoben dem "Cellario de Slagge" dreißig Friesacher Denare auszahlt. Die
zweite Erwähnung Schlägls findet sich in einer Urkunde des Bischofs Mangold
von Passau aus dem Jahre 1209, in der der Bischof dem Zisterzienserkloster
"Slage" und dem Abt Theoderich alle Rechte und Freiheiten bestätigt. Allerdings
müssen der Abt und ein weiterer Mitbruder im Winter 1214/15 an Entkräftung
gestorben sein, worauf die übrigen Brüder das Kloster unter Mitnahme ihrer
Bücher und Kelche verließen und nach Langheim zurückkehrten. Mit Urkunde
vom 20. Juni 1218 verzichteten Abt und Konvent von Langheim auf ihre
Besitzansprüche in Schlägl.
Die zweite Gründung von Schlägl
In einer Urkunde vom 9.
Juli 1218 übergibt Kalhoch von Falkenstein das von ihm gestiftete
Kloster Slage Prämonstratensern aus dem niederbayrischen
Kloster Osterhofen. Wie es in einer Abschrift dieser Urkunde heißt,
errichteten sie ihr Kloster "in alio loco", an einem anderen Ort (daneben, in
der Nähe). Und da es sich wie bei der Erstgründung um ein
Rodungskloster handelte, kann der Name "Slage" von "Plaga" =
Schlag hergeleitet werden. Deshab finden sich auch heute noch im Wappen des
Stiftes zwei gekreuzte Schägel.
Bereits um etwa 1250 muss mit der Errichtung einer steinernen Kirche- und
Klosteranlage begonnen worden sein. Zeugnis dieser Zeit ist die noch erhaltene
romanische Krypta . Eine erste Erweiterung der
Klosteranlage dürfte um 1410 erfolgt sein. Aus dieser Zeit stammt die gotische
Turmkapelle im unteren Stockwerk des Kirchturmes.Unter Propst Ulrich I.
(1304-1338) wurde der Kreuzgangbereich mit den Klosterräumen um einen südlichen
Anbau erweitert, die so genannte "Alte Propstei". Auf Grund der exponierten Lage
des Stiftes im Dreiländereck Österreich, Bayern und Böhmen kam es nicht nur zu
einem kulturellen Austausch, sondern bereits 1321 wird von einem Brand des
Kloster in Folge von Kriegseinwirkungen berichtet.
Der bedeutendste Bauherr des Mittelalters war Propst Andreas Rieder
(1444-1481). Er erweiterte die Stiftskirche und gab ihr die heutige Gestalt.
Ebenso erweiterte er die Klostergebäude. Propst Johannes III. (1481-1490)
erbaute den mächtigen Turm , der auch zugleich als Wehrturm
dienen sollte. Im Laufe des 16. Jahrhunderts verfielen unter Einwirkung der
Reformation die Disziplin im Kloster und damit auch die Klostergebäude, sodass
unter Propst Crispin Fuck (1609-1622) das Kloster im bisherigen Umfang zum Teil
neu aufgebaut werden musste. Sein Nachfolger Propst Wilhelm Capreolus
(1622-1626) begann mit der Barockisierung der Kirche, jedoch wurden nach seinem
Tode 1626 Kirche und Kloster von den aufständischen Bauern in Brand gesetzt und
weit gehend zerstört. Der nachfolgende Propst und spätere Abt Martin Greysing
(1627-1665) stellte die Kirche und Klostergebäude wieder her, stattete die
Stiftskirche barock aus und fügte den heutigen Nordtrakt mit
der so genannten neuen Prälatur und an der Südseite im Anschluss an die alte
Propstei den heutigen Konventtrakt hinzu. Aufgrund
seiner Verdienste um den Wiederaufbau des Klosters wurde Martin Greysing vom
Generakapitel in Premontre am 6. Mai 1657 zum Abt und das
Kloster zur Abtei erhoben .
Insgesamt sieben Brände fügten den Klostergebäuden schwere Schäden zu, so
unter anderen in den Jahren 1702, 1739, 1801 und 1850. An Stelle der alten
Stallungen im Osttrakt des Klosters entstand 1852 die große neubarocke
Bibliothek und nördlich daran anschließend 1898 die heutige
Bildergalerie . Im westlichen Bereich, wo die alten
Wirtschaftsgebäude lagen, wurde 1853/54 ein neuer Trakt errichtet, sodass ein
geschlossener Hof entstand. Vor allem ist es Abt Dominik Lebschy (1838-1884) zu
verdanken, dass das Stift heute über eine großartige Bildersammlung und
wertvolle Paramente sowie liturgischeGeräte verfügt.
Literatur zur Geschichte des Stiftes: Schlägler Schriften,
Studien und Forschungen zur Geschichte und Kultur des Stiftes Schlägl und seiner
Pfarreien, 12 Bände, herausgegeben von Dr. Isfried Pichler O.Praem.,
Bibliothekar und Archivar des Stiftes Schlägl, Stift Schlägl im
Selbstverlag. Band 1: Eleonore Uhl, Abt Dominik Lebschy, 1971 Band 2:
Schlägl unter Abt Adolf Fähtz. Schlägl in alten Ansichten. Schmiedeeisen in
Schlägl, 1974 (vergriffen) Band 3: Johann Worath, Ausstellung 1975
(vergriffen) Band 4: Maximilian Schimböck, Abt Siard Worath, 1977 Band 5:
Stephan Prügl, Schlägl im Josephinismus, 1978 Band 6: Aigen-Schlägl, Porträt
einer Kulturlandschaft, 1979 Band 7: Schlägl in Dichtung und Literatur, 1981
(vergriffen) Band 8: Heribert Hummel, Katalog der Inkunabeln, Festschrift für
Abt Florian Pröll, 1983 Band 9: Schlägler Gemäldekatalog, 1987 Band 10:
Professbuch des Stiftes Schlägl, 1992 Band 11: Johannes Ramharter, Die
Skulpturen des Stiftes Schlägl, 1998 Band 12: Urkundenbuch des Stiftes
Schlägl, 2003 Zu beziehen sind diese Schriften, so weit vorhanden, über unseren
Bibliothekar und Archivar Herrrn Dr. Isfried Pichler, E-Mail: bibliothek@stift-schaegl.at
Kons.-Rat Mag. Stephan Weber, Stift
Schlägl
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