Unser Mitbruder H. Isfried Pichler ist heimgekehrt zum Herrn.
Hermann Pichler wurde am 8. April 1937 in Scheiblberg 5, Pfarre Rohrbach, als Sohn des Landwirteehepaars Josef und Anna Pichler geboren. Er besuchte die Volksschule in Rohrbach und danach das Bischöfliche Kollegium Petrinum in Linz, wo er 1956 maturierte.
Am 28. August 1956 wurde er von Abt Cajetan Lang in das Noviziat des Stiftes Schlägl aufgenommen und erhielt den Ordensnamen Isfried. Zwei Jahre später legte er die Profess ab. Ab 1957 studierte er an der Universität Innsbruck Theologie. Am 26. Juli 1962 wurde er in Innsbruck von Bischof Paulus Rusch zum Priester geweiht. Seelsorglich wirkte er zunächst in Wiltener Stiftspfarren und dann als Präfekt und Religionslehrer an der Landwirtschaftsschule Schlägl. Währenddessen setzte er seine Studien fort, bis er 1965 zum Doktor der Theologie promoviert wurde. 1966 betraute ihn Abt Florian Pröll mit seelsorglichen Aufgaben in Duisburg-Hamborn. 1969 kehrte er zurück und wurde Kooperator in Haslach. 1970 wurde er von Abt Florian Pröll zum Prior bestellt. Dieses Amt hatte er bis 1978 inne. Stets für Neues aufgeschlossen, mühte er sich, das Stiftsgebäude den Erfordernissen der Zeit entsprechend zu modernisieren. Den Zementgang ließ er zu einem Bildungsheim ausbauen, außerdem die Zellen der Mitbrüder erweitern, schuf eine Handbibliothek und gestaltete als Kustos der Stiftssammlungen deren Räumlichkeiten zu einer stilvollen Galerie um. 1972 übernahm er die Verantwortung für die Stiftsbibliothek und wurde 1982 zusätzlich zum Stiftsarchivar bestellt. Büchern brachte er stets hohe Wertschätzung entgegen, achtete auf einen sorgsamen Umgang mit ihnen und erfreute sich an den Zimelien. Er förderte außerdem die wissenschaftliche Erschließung der Bestände und gründete dazu die Reihe Schlägler Schriften. H. Isfried arbeitete aber auch selbst akribisch und unermüdlich als Historiker. Vor allem das Profeßbuch (1992) und das Urkundenbuch (2003) bleiben wichtige Referenzwerke zur Stiftsgeschichte. Bedeutsam war ihm auch die Musik, vor allem die Kompositionen Beethovens, dessen Briefe er bis zuletzt studierte. Zur Stärkung der Kommunikation des Stiftes mit seinen Freunden und dem Orden gründete er 1975 die Zeitschrift Schlägl intern, die er 20 Jahre lang redigierte. H. Isfried sah es auch als seine Aufgabe, den Kontakt mit den vom kommunistischen Regime unterdrückten Mitbrüdern jenseits des Eisernen Vorhangs aufrecht zu halten. Viele Male fuhr er – von den Geheimdiensten argwöhnisch beäugt – in die Länder des Ostblocks, um die im Untergrund ausharrenden Mitbrüder und Mitschwestern des Ordens zu besuchen und zu unterstützen. Viele Jahre betreute H. Isfried die Wallfahrtskirche St. Wolfgang. 1990 wurde er von Abt Martin Felhofer zum Pfarrer von Kleinzell bestellt. Zu dieser Pfarre fasste er eine besondere Zuneigung, ließ die pfarrlichen Gebäude renovieren und bemühte sich, ein guter Hirte zu sein. Für seine wissenschaftlichen und seelsorglichen Verdienste wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht.
Mit zunehmendem Alter ließen seine Kräfte nach. 2009 gab er die Verantwortung für die Bibliothek und für das Archiv ab und beendete 2016 seinen Dienst als Pfarrer. H. Isfried erfreute sich im Ruhestand an der Milde seiner Mitbrüder, die er sich auch selbst im Alter zusehends aneignete. Über Jahre hinweg kam es ihm zu, das tägliche Totengedenken vorzutragen und mitunter die Biographien der Verstorbenen durch sein reiches historisches Wissen heiter zu verlebendigen. Zudem sorgt er bei den Mahlzeiten mit so manchem Bonmot für Frohsinn. Die letzten Jahre verbrachte er gern und zufrieden auf seinem Zimmer, wo man ihn täglich lesend oder Musik hörend antreffen konnte.
Am Vorabend des Fronleichnamsfestes, 3. Juni 2026, ging er, umsichtig von Sr. Franziska und Sr. Benjamina betreut, zum Herrn heim.
Zum gemeinsamen Gebet versammeln wir uns am Donnerstag, 11. Juni 2026, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche Kleinzell.
Das Requiem feiern wir am Montag, 15. Juni 2026, um 14.00 Uhr in der Stiftskirche Schlägl und begleiten ihn anschließend auf den Klosterfriedhof Maria Anger.
